Tim SchaferDass viele kleine und große Entwicklerstudios sich die Unterstützung eines Publishers sichern, um ein Spiel auf den Markt zu bringen, ist bekannt. Dass diese Erfahrung und Zusammenarbeit nicht immer vom Erfolg gekrönt ist, musste auch die Entwicklerlegende Tim Schafer am eigenem Leib erfahren. In einem Interview stellt der Entwickler nun klar: „Publisher sind nicht eure Eltern!“

Publisher wollen nur dein Bestes – Dein Geld!

Wie Schafer in einem umfangreichen Interview gegenüber der englischsprachigen Webseite Polygon erklärte, sollte das Ziel eines jeden Entwicklers sein, die eigenen Spiele möglichst selbst auf den Markt zu bringen, denn die Publisher seien keine Freunde und man würde am Ende sonst womöglich kein Geld verdienen. „Wenn ihr einen großen Spiele-Hit habt, werdet ihr reich, so wie eine Band mit einem Hit. Aber keine andere Band wird reich, nicht wahr? Das Gleiche trifft auf Spiele zu. Wenn ihr ein sich mittelmäßig verkaufendes Spiel habt, dass die Gewinnschwelle erreicht oder zumindest gut läuft, bekommt ihr kein Geld von den Publishern.“

Natürlich gebe es auch gute Partnerschaften, bei denen die Entwickler einen guten Deal abschließend und ein fast schon familiäres Verhältnis zu einem Publisher aufbauen, aber auch diese Partnerschaften bergen viele Gefahren, so Schafer.

„Man denkt sich ‚Sie kümmern sich um mich, zahlen meine Rechnungen und haben mich gern. Sie werden mich niemals sterben lassen, sie werden mich beschützen, weil sie meine Eltern sind‘. Das ist aber nicht, was ein Publisher ist. Ein Publisher ist ein Geschäft. Wenn ihr ihnen Geld bringen, machen sie Geschäfte mit euch. Und wenn ihr für ihren Profit nicht mehr wichtig sind, lassen sie euch fallen und sterben. Das ist das, was Unternehmen tun sollen. Sie sind nicht aufgrund der Emotionen hier, sie sind hier, um Geld zu verdienen. So lange ihr euch also nicht der Illusion hingebt, dass die Publisher-Beziehung eine Eltern-Kind-Beziehung ist, seid ihr besser dran“, erklärte der Entwickler.

Kultentwickler setzen auf Crowdfunding

Der Name Tim Schafer dürfte vor allem den Adventure-Fans ein Begriff sein, war er doch gemeinsam mit Ron Gilbert an den ersten beiden Teilen der Monkey Island-Serie beteiligt. Unter seiner Leitung entstanden Titel wie Day of the Tentacle, Vollgas, Grim Fandango und Psychonauts. Derzeit arbeiten die beiden Entwickler wieder zusammen an einem neuen Titel, der aktuell noch den Namen Double Fine Adventure trägt. Im März dieses Jahres wurde das Spiel über die Crowdfunding-Plattform Kickstarter mit rund 3,3 Milionen US-Dollar durch Fans finanziert.

Dies war die bis dato höchste Summe, die je über Kickstarter gespendet wurde. Das Projekt erregte großes Aufsehen und trat eine ganze Welle von neuen Kickstarter-Projekten los. Mittlerweile wurde der Rekord von Rollenspielentwickler Obsidian Entertainment und ihrem Rollenspiel Projekt Eternity, mit rund 4 Millionen US-Dollar übertroffen. Chris Roberts und sein Science-Fiction-Projekt Star Citizen kamen durch Crowdfunding insgesamt auf 6,3 Millionen US-Dollar. Davon wurden rund 2,1 Millionen über Kickstarter eingenommen.

Das aktuellste Projekt Elite: Dangerous aus der Feder von David Braben ist ebenfalls ein Science-Fiction-Titel und eine Fortsetzung der Weltraumspielserie „Elite“ aus den 80er Jahren. Aktuell hat das Spiel bereits rund 948.000 der benötigten 1,25 Millionen US-Dollar gesammelt. Wer das Spiel unterstützen möchte, sollte der Kickstarter-Seite des Spiels einen Besuch abstatten.


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Kommentare zu "Spielebranche: „Publisher sind nicht eure Eltern!“ – Tim Schafer im Interview"

Aber ja, wer Publisher als etwas anderes sieht als Platenfirmen nur im Spielebereich der wird da nicht lange seine Freude haben,das kann ich versprechen.

Bringst du Geld mögen sie dich,bringst du keins…baba
Ich glaube viele Entwickler denken immer wenn sie einen Publisher folgen das er ihnen in schlechten Zeiten unter die Arme greift, was definitiv nicht passieren wird,es sei denn man hat davor NUR gute Sachen gemacht hat.