Senator Jay RockefellerDie Tragödie um den Amoklauf in Newtown, USA, hat die alte Debatte um die sogenannten „Killerspiele“ erneut entfacht. Der Demokrat Jay Rockefeller hat am vergangenen Mittwoch einen Gesetzentwurf in den US-Senat eingebracht, wonach die National Academy of Sciences die Auswirkung gewalthaltiger Computerspiele auf Kinder untersuchen soll.

Immer wieder gern genommen

Wann immer es der Waffenlobby und der Regierung zu heiß wird, packen die Mächtigen ihre „Killerspiele“-Keule aus, um die Aufmerksamkeit der Menschen von dem tatsächlichen Problem auf das verhasste und bereits bekannte Feindbild zu lenken.

Nachdem ein Jugendlicher in der vergangenen Woche in Newtown, 20 Kinder sowie 6 Erwachsene erschoss und sich anschließend selbst richtete, sollen die Federal Trade Commission (FTC) sowie die Regulierungsbehörde FCC (Federal Communications Commission) eine „passende Vereinbarung“ treffen, um der National Academy of Sciences eine umfassende Untersuchung der Auswirkungen gewalthaltiger Computerspiele auf Kinder zu ermöglichen.

Jetzt wird geforscht!

Dabei soll vor allem festgestellt werden, ob die gewalttätigen Videospiele einen speziellen Einfluss auf die Kinder haben, der sich von anderen Medien unterscheidet und ob diese einen dauerhaften, schädlichen Einfluss auf den Nachwuchs haben. Innerhalb der nächsten 18 Monat soll die Akademie die ersten Ergebnisse vorlegen.

„Die jüngsten Gerichtsentscheidungen zeigen, dass einige Leute es immer noch nicht kapiert haben“, erklärt Rockefeller. „Sie glauben, dass gewalttätige Spiele nicht gefährlicher für junge Gemüter sind als klassische Literatur oder Cartoons am Sonntagmorgen. Eltern, Kinderärzte und Psychologen wissen es besser.“ Er appelliere daher an seine Kollegen, den eingebrachten Gesetzentwurf schnell zu verabschieden.

Angesichts der Tatsache, dass bereits in der Vergangenheit jahrelange Forschungen keinen Zusammenhang zwischen realer Gewalt und den Computerspielen nachweisen konnten, ist diese Verschwendung von Steuergeldern eine Augenwischerei und löst das tatsächliche Problem in keinster Weise.

Die Wut auf etwas anderes lenken

Dass die Massen oft gar nicht wissen, was sich hinter dem Begriff „Killerspiele“ verbirgt, zeigt die jüngste Aktion auf Facebook, bei der Entwickler Bioware massiv kritisiert und beschimpft wurde, weil auf dem angeblichen Account des Amokläufers ein „Gefällt mir“ unter dem Science-Fiction-Rollenspiel Mass Effect 3 gefunden wurde. Dass der Account gar nicht dem Todesschützen, sondern seinem Bruder gehörte, ist dabei fast nebensächlich.

Ein gutes Feindbild geben die Videospiele trotzdem ab. Den Berichten zufolge hat der Amokläufer gerne Spiele wie Call of Duty und StarCraft gespielt, was den meisten bereits genügt, um das vermeintliche Problem auszumachen.

Auf dem Gipfel der Scheinheiligkeit

Doch was passiert mit den Waffengesetzen? Dass die ebenfalls getötete Mutter des Amokläufers ein großer Waffenfan war und regelmäßig ihre Kinder auf den Schießplatz mitnahm, scheint mal wieder niemanden zu interessieren. Dass ein normal erzogenes Kind in einer intakten Familie gar nicht auf die Idee kommen würde, andere Menschen zu erschießen, offenbar auch nicht.

Um die aufkommenden Diskussionen über die Verschärfung der Waffengesetze gleich im Keim zu ersticken, wird mal eben schnell über ein Verbot von Sturmgewehren „nachgedacht“ und diese Diskussion auch noch als großes Erfolg gefeiert. Dass der Amokläufer von Newtown das Massaker mit zwei Pistolen anrichtete, scheint niemandem aufgefallen zu sein. Hier versucht die große US-Waffenlobby NRA mit scheinheiligen Debatten die Wogen zu glätten. Dass dieses Gesetzt jemals durchgewunken wird, darf schwer bezweifelt werden. Gut, dass es da noch die bösen Killerspiele gibt…


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Kommentare zu "Schulmassaker in Newtown: Killerspiele sind mal wieder schuld – Jetzt soll geforscht werden"

Was soll ich sagen, als ich gestern das ähm Interview…weiß gar nicht ob ich das Wort damit beleidige,naja nennen wir es Interview gehört habe bin ich beinahe vom Stuhl gefallen.
Das mit den Spielen hatte ich irgendwie erwartet, war jetzt nicht so überraschend. Was mich aber zu tiefst beunruhigt hat war die Aussage dass das alles verhindert hätte werden können wenn da jemand ebenfalls bewaffnet gewesen wäre. Und wenn man die Lehrer nicht bewaffnen kann dann sollen es halt Sicherheitskräfte tun!

Ich bin wirklich schockiert was die NRA da verzapft, aber noch schlimmer finde ich es wenn davon ein paar Amerikaner überzeugt sind. Ich beleidige normalerweise keine Menschen die ich nicht kenne,aber diese Menschen die so etwas unterstützen müssen unfassbar blöd sein und denen sollte ganz schnell die Waffen abgenommen werden sonst sind die die nächsten die Amok laufen.

Amerika ist so ein gehirnbefreites land das ist ein wahnsinn.
die einstellung von denen nachzuvollziehen geht garnicht wenn man gehirnzellen hat,jetzt wollen die das waffengesetz auch noch lockern anstatt zu verschärfen damit noch mehr psychisch gestörte andere erschießen können.
Und wer ist dann wieder der schuldige?
Natürlich die Videospielindustrie, nicht das waffengesetz.
Obama kommt dann wieder mit so einer rede in der er sagt er wolle das waffengesetz verschärfen was er ohnehin nicht machen wird und auch nicht kann.
USA ist so krank.

kein vernünftiger Mensch behauptet, dass Ego Shooter Games Killer heranzüchten. Aber recht plausibel ist, dass labile Menschen mit Gewaltphantaisien den massenhaften Tötungsakt einüben und davon einige wenige dann zur Tat schreiten. Die US Armee hat Killerspiele ursprünglich ja genau für diesen Zweck entwickelt, den Tötungsakt einzuüben, zu desensibilisieren. Die kritische Frage muss schon erlaubt sein, warum es nötig ist, dass Generationen von Kindern für das Töten in einer fiktionalen Welt trainieren müssen, von denen dann einzelne die Fiktion mit Realität verwechseln. Der Verweis auf NRA hilft da nicht weiter. Strengere Waffengesetze und die Indizierung von EgoshooterGames schließen sich nicht aus.