Electronic Arts LogoNach der erneuten Nominierung zum schlechtesten Unternehmen des Jahres fühlte sich Electronic Arts‚ COO Peter Moore dazu berufen, ein Statement zu diesem Thema abzugeben. Darin gestand er diverse Fehler, behauptete jedoch auch, dass die Nominierung aus falschen Gründen geschah. Das US-Verbraucherportal „The Consumerist“ hat auf das Statement reagiert.

Der Sinn hinter der Abstimmung

Wie Consumerist in seiner Antwort auf Moores Aussage erklärt, steht bei der Abstimmung vor allem die Beziehung der Kunden zum Markt und zum Unternehmen im Vordergrund.

“Nur um das klar zu stellen: Der Sinn dieses Wettbewerbs seit acht Jahren ist es, den Verbrauchern zu ermöglichen, eine Nachricht an ein Unternehmen zu senden, das ihm Waren und Dienstleistungen anbietet. Der Sieg in diesem Wettbewerb bedeutet, dass ihre Kunden versuchen, Ihnen etwas zu sagen. Und zwar, dass Sie als Unternehmen die Trophäe in Form eines Kothaufens  am meisten verdienen”, so das Verbraucherportal.

Die Gründe für die Nominierung

Bereits bei der Wahl 2012, die Electronic Arts haushoch gewann, verteidigte Moore das Unternehmen mit der Begründung, die Stimmen würden lediglich auf dem Ärger über das Mass Effect 3-Ende und EAs Unterstützung der SOPA (Stop Online Piracy Act) beruhen. Auch diese Behauptung wurde damals von Consumerist mit dem Verweis auf eigene Analysen widerlegt.

Auf die Rechtfertigungen Moores antwortete das Verbraucherportal: “REALITÄTSCHECK: Tatsache ist, dass unsere Analyse der Gründe für Electronic Arts Einzug ins Finale im letzten Jahr keinerlei Erwähnung von Mass Effect 3 oder SOPA beinhaltet. Stattdessen stand Electronic Arts Vorgeschichte im Vordergrund, kleine erfolgreiche Entwickler aufzukaufen, mit der Absicht, diese zu melken und die geistigen Eigenschaften, die diese Unternehmen so attraktiv machten, zu ruinieren. Es behandelt auch Electronic Arts Exklusivitätsvereinbarungen bei populären Sportspielen, welche die Messlatte bei den Verkaufspreisen für den Rest der Spieleindustrie praktisch höher legen”, so Consumerist.

Was die Spieler wirklich stört

Zum Thema Mass Effect 3 Ende sagte das Portal, man habe es schlicht vermasselt, Millionen von Menschen einen befriedigenden Abschluss für eine Trilogie zu liefern, für die man insgesamt rund 200 US-Dollar hinblätterte und deren Geschichte man über drei Spiele hinweg verfolgte.

Die Begründung von Electronic Arts, bei dem Ende handle es sich schlicht um eine Vision eines Regisseurs, der die Geschichte von Mass Effect in eine unerwartete Richtung lenken wollte, will man ebenfalls nicht so recht glauben. Das Ende fühlte sich für viele Spieler ähnlich an, als hätte man bei einem wirklich gutem Konzert plötzlich den Stecker gezogen. Das Ganze stank förmlich nach einer unternehmerische Entscheidung des Konzerns und war eine künstlerische Katastrophe, ähnlich wie das Ende von Lost, heißt es weiter im Text.

“Wir fragen uns, wie Moore sich wohl fühlen würde, wenn er mindestens 180 US-Dollar für etwas bezahlt hätte, das am Ende nicht liefert, was seit Jahren versprochen wurde?” Als man den Extended Cut veröffentlichte, um die wütende Menge zu besänftigen, gab man bei Electronic Arts praktisch selbst zu, dass das Ende von Mass Effect 3 nicht vollständig war, sagte Consumerist.

Desweiteren ging das Portal auf die Argumentation Moores zu Madden NFL und forderte den COO auf, jene Mailing-Listen zu zeigen, die Moore in seinem Statement als Beweis aufführt. Der Unmut der Leser bezieht sich laut Consumerist eher auf die stetig sinkende Qualität der Spielreihe. Über die Wahl des Athleten auf dem Madden NFL Cover habe sich hingegen kein einziger Nutzer beschwert.

Nichts mit „Okey-Dokey“

Auch das Thema um Mikrotransaktionen wurde berücksichtigt, da viele Käufer das Gefühl hatten, man würde ihnen Geld für etwas abknöpfen, das nicht zusätzlich zum Spiel entworfen wurde, sondern ein integraler Teil des Spiels war und aus dem Spiel geschnitten wurde, um den Kunden, die bereits um die 60 US-Dollar für ihre Produkte bezahlt haben, erneut zu Kasse zu bieten.

“In seinem Beitrag meinte Moore, dass Mikrotransaktionen ‘okey-dokey’ sind, weil ‘zig Millionen Menschen die Free2Play Spiele von Electronic Arts genießen’. Dazu würden wir gerne sagen ‘nur weil die Menschen es zulassen, dass man sie ausnimmt, bedeutet das nicht, dass sie das tun sollten”, kontert das Verbraucherportal Moores aktuellste Aussage zum Free2Play-Thema.

Keine homophoben oder politische Gründe

Moores Behauptung, einige homophobe und konservative Personen und Firmen würden darauf abzielen, Electronic Arts für ihren Einsatz für Minderheiten zu schaden und die negative Auszeichnung dafür zu nutzen, das Unternehmen in ein schlechtes Licht zu rücken, widerlegt das Portal ebenfalls mit der Begründung, man habe keine Besucher von politischen oder gar konservativen Webseiten ausmachen können.

Electronic Arts habe bei der Abstimmung hunderte von Stimmen mehr erhalten als die restlichen Unternehmen, doch keine einzige dieser Stimmen hätte in irgendeiner Form politische Gründe oder sexuelle Orientierungen erwähnt. Das Portal distanziere sich von Homophobie und Hetzreden. Die Stimmen wurden von den Teilnehmern aus wirklich gerechtfertigten Gründen abgegeben, so Consumerist.

Zum Schluss führt das US-Verbraucherportal dem Unternehmen die verpasste Chance vor Augen, der Gaming-Community endlich den Respekt zu zollen, den sie verdient und selbst Größe zu zeigen, indem man die eigenen offensichtlichen Mängel akzeptiert, statt sich erneut zu rechtfertigen und sich hinter angeblichen, gesichtslosen, homophoben Firmen und Personen zu verstecken. “Electronic Arts hat sich selbst einen Bärendienst erwiesen, indem man versucht hat, eigene hochkarätige Probleme auf Homophobie und jammernde Spieler zu schieben.”

Geringschätzung gegenüber dem Verbraucher

In seinen abschließenden Worten schreibt Consumerist: “Die Spieleindustrie mag ein Multimilliardengeschäft sein, das weltweit große Namen aus der Unterhaltung, Musik und Sport anzieht, aber sie wird dennoch sowohl von den Medien als auch der Geschäftswelt mit einem reduktionistischen Achselzucken betrachtet. Firmen wie Electronic Arts sind glücklich damit, ihre falsche Wahrnehmung vom durchschnittlichen Spieler als jammernden, spitzfindigen Einzelgänger zu pflegen, der sich grundlos beschweren will. Dieses Bild träg jedoch nur dazu bei, diejenigen zu diskreditieren, die sich zurecht über die verhältnismäßig überteuerten Produkte beklagen.”


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