Dokumentation über Rollenspiele: Abseits von Sucht und Verwahrlosung

Rollenspiele, vor allem Computer-Rollenspiele, sind immer ein gern gesehenes Thema in den heutigen Medien. In den Berichten werden dann Spieler vorgestellt, die entweder süchtig und verwahrlost oder süchtig und fast verwahrlost sind – jedoch immer ihre Pizza-Schachteln und Cola-Flaschen in der Wohnung stapeln. In diesem Artikel geht es um eine Dokumentation, deren Hauptaugenmerk nicht auf Drama und Einschaltquoten liegt.

Während die allgemein bekannten Berichte eine sinnvolle Erweiterung zu Sendungen sind, in denen sich Menschen für Bauern ausgeben, Gerichtsverfahren erfunden oder tolle Essen gekocht werden, hat es diese Dokumentation gar nicht bis ins Fernsehen geschafft. Sie nennt sich „Nur ein Spiel„, ist von Michael Schilhansl und handelt von LARP (Live-Action-Role-Playing), Pen & Paper-Rollenspielen und Computer-Rollenspielen, insbesondere Gothic und World of WarCraft. Ich habe sie heute zufällig bei siedeln.de entdeckt.

Auf der Facebook-Seite zur Doku beschreibt Michael, wie er versuchte, Fernsehredakteure zu überzeugen die Doku auszustrahlen. Aber ohne Gewalt oder Sucht zu thematisieren gibt es auch keinen Sendeplatz, so Michael:

“Ah sie wollen was über Computerspieler machen. Wollen sie es mehr unter dem Suchtaspekt betrachten, oder mehr unter dem Gewaltaspekt?” – “Ähm – Nein, ich wollte die zunehmende Popularität und Faszination des Spielens erklären.” “Achso, also, wenn das nicht unter dem Thema Amok oder Sucht läuft, weiß ich nicht, ob das wer sehen will.”

Aber wir wollen es sehen! Viel Spaß:

Eine der interessantesten Stellen ist das Interview mit Dr. Grüsser, damalige Leiterin der Suchtabteilung der Berliner Charité. Sie warnt vor „einem inflationären Gebrauch“ des Wortes Spielsucht. Nur weil jemand regelmäßig und lange spielt, liegt noch lange kein Suchtverhalten vor. Damit eine Verhaltenssucht vorliegt „müssen wirklich ganz, ganz klare Kriterien zutreffen und dieses Verhalten muss wirklich die Funktion einer inadäquaten Stressverarbeitungsstrategie eingenommen haben.  Und zwar nicht nur ‚einer‘ sondern es muss die ultimative oder die einzige sein, die der Betroffene noch hat. Dann kann man hier von süchtigem Verhalten reden.“, so Dr. Grüsser.

Jeremy von Superlevel.de führte Anfang Dezember dann noch ein Interview mit Michael Schilhansl, der darin ankündigte, erstmal keine weitere Doku zu produzieren. Zumindest nicht, wenn er nicht schon vorab einen Fernsehsender im Rücken hat. Dafür würde er gerne ein MMORPG entwickeln. Was wohl dabei rauskommen würde?


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