Ultima OnlineEs ist Sonntag, es ist kalt und es ist wieder Zeit für Ausgespielt – unsere Kolumne für Spiele-Themen aller Art. Heute beschäftigen wir uns mit dem Thema Beta und was sich da im Laufe der Zeit alles verändert hat, im Guten wie im Schlechten.

Betas damals…

Die Beta-Phasen sind das Butterbrot eines jeden Entwicklers. Damals waren die MMO-Betas wirkliche Beta-Tests, es wurden sorgfältig ca. 1.000 Leute ausgesucht, die das fast fertige Produkt noch mal auf Herz und Nieren prüfen sollten, bevor es denn auf die Allgemeinheit losgelassen wurde.

Das war super für beide Seiten: Die Entwickler bekamen freiwillige Tester, die sehr gründlich arbeiteten und nichts kosteten. Als Lohn für die Gamer reichte es schon, dass sie sich ein Spiel anschauen konnten, das sie sehr interessierte. Sozusagen also eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten.

… und heute

Das war bedauerlicherweise vor Jahren, heute sieht das ganze meist anders aus und ich habe das Gefühl, beide Seiten schaden sich häufig mehr anstatt sich gegenseitig zu helfen. Da werden vollmundige Ankündigungen zur Beta vom Entwickler gemacht und es werden Zehntausende auf die Server gelassen. Nach fünf Minuten ist der ganze Spuk auch schon wieder vorbei, da die komplette Server-Infrastruktur zusammengebrochen ist. Ein Image-Schaden sondergleichen, den der Entwickler/Publisher nicht mehr so schnell los wird, besonders wenn man sich dann fragt, was die Firma jahrelang gemacht hat. Ein funktionierendes Spiel ist genauso wichtig wie die Server-Struktur!

Doch eine richtige Beta verfolgen die meisten Entwickler eh nicht. Die PR-Abteilungen haben schon längst die „Beta-Tests“ als werbewirksame und relativ kostengünstige Errungenschaft für sich entdeckt. Das Problem ist dabei leider, dass die PR-Abteilung diese „Werbe-Betas“ aber immer noch als  stinknormale Beta verkaufen. Läuft irgendwas nicht richtig oder geht kaputt, kommt meist die Antwort:“ He, das ist eine Beta, sei still und freue dich, dass du dabei bist!“

Das würde sicherlich Sinn machen, wenn es sich wirklich um eine Beta handeln würde, aber hier wird nicht nach Bugs gesucht. Zum Teil gibt es nicht mal ein Tool, über das man die Bugs melden kann, geschweige denn, dass die Meldungen irgendwer liest. Hier geht es einzig und alleine darum, Werbung für das Spiel zu machen. Und genau das schaffen die meisten Spiele einfach noch nicht zu vermitteln.

Wer will testen?

Man könnte das Gefühl bekommen, dass die Entwickler an allem schuld sind, aber das ist falsch. Auch die Spieler tragen eine gewisse Mitschuld an dem Desaster Beta, denn viele wollen gar nicht testen, sondern einfach nur das Spiel genießen. Die ganze Einstellung der Spieler lässt sich einfach mit einem alten Werbespruch einer Elektromarktkette erklären: „Arbeiten für ein Spiel nach Arbeit oder Schule? Ich bin doch nicht blöd!“

So sieht sich der Entwickler natürlich gezwungen, neue Leute in die Beta zu holen und zu hoffen, dass dort ein paar dabei sind, die wirklich das Spiel auf Fehler testen wollen. Und genau durch diese Umstände kommen wir wieder zum obigen Problem. Wenn es wieder zu viele Spieler werden, handelt es sich nämlich nicht mehr um eine Beta sondern um eine… na, wer ahnt es schon?

Doch auch sonst bekommt man bei einigen Testern das Gefühl, dass diese genauso viel Lust haben konstruktive Kritik zur Beta zu geben wie es Pinguine am Nordpol gibt. Die Aussagen der Leute verlaufen dann meist zwischen „olololol das ist kaputt fixt das Sofort!!!111“ und „boha sch*** Spiel, gut dass ich mir das nicht holen werde“. Das hilft den Programmierern leider gar nicht.

Ich bin dafür, dass man den Großteil der Leute erst wieder zum Ende der Beta auf die Server lassen sollte. Und davor sollten wirklich nur die Leute auf die Server, die für das Spiel auch Zeit opfern wollen. Dann bekommt der Entwickler wieder gute und zuverlässige Daten und der Spieler kann sich darauf einstellen, dass es sich hierbei wirklich um eine Beta im kleinen Kreis handelt, in der es auch mal zu Problemen kommen kann.


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Veröffentlicht in: News