Es ist Sonntag und damit wieder Zeit für unsere Spiele-Kolumne Ausgespielt! Heute schauen wir uns an, was die Zukunft für die MMOs bereithält und welche Fehler zum Teil in der Vergangenheit gemacht wurden.

Der Gigant erwacht

2005 war für Europa ein Schicksalsjahr, genauer gesagt der 11. Februar 2005, denn das war der Releasetermin von World of Warcraft hier in Europa. Die Spielerschaft war in Euphorie versunken, das Spiel war einfach zu lernen und man konnte vieles alleine machen. Für damalige MMO-Verhältnisse zum Teil undenkbar, besonders Everquest II hatte das Problem, dass nach dem Startgebiet alleine so gut wie nichts mehr klappte.

Wie die Jahre kamen und gingen, kamen und gingen auch die Konkurrenten von WoW. Einige Spiele wurden aufgrund der geringen Nachfrage Free2Play, andere komplett eingestellt wie z.B. Tabula Rasa. WoW wiederum wuchs und gedieh und immer mehr Spieler strömten nach Azeroth. Doch das Spiel hat meiner Meinung nach einen entscheidenden Fehler.

Der Entwickler ruhte sich auf seinen Lorbeeren aus und schob Raids, Raids und noch mal Raids nach. Das war okay und die Leute konnten damit auch leben, doch irgendwann merkten die meisten Spieler, dass etwas bei WoW fehlte, etwas neben den Raids musste her. Zwar gab es einige Änderungen neben den Raids, die aber zumindest in meinem Umfeld mit gemischten Gefühlen aufgenommen wurden. So half es auch nichts, dass man immer wieder neue 5-Mann-Instanzen eingeführt hat, um den Spielern außerhalb der Raids etwas zu bieten. Meist hat man diese einmal durchgespielt, danach hatte man alles gesehen und Equip brauchte man daraus dank den einfachen Raids eh nicht mehr.

Doch bevor ich hier nur mit dem Finger auf Blizzard zeige, muss man so fair sein und auch auf die anderen Entwickler zeigen, denn die machten es nicht besser, sondern nach meinem Empfinden sogar noch schlimmer. Anstelle die Schwäche der Einseitigkeit und der sich immer wiederholenden Abläufe bei WoW für sich zu nutzen und endlich mal interessante Nebenbeschäftigungen einzubauen, übernahm man das gesamte Konzept von Blizzard. Da draußen gab es nun also eine Menge Spiele, die fast das Gleiche waren wie WoW, nur mit einer anderen Geschichte und einem anderem Aussehen.

Was die können, können wir auch!

„Was bei WoW funktioniert, wird auch bei unserem Spiel klappen…“ – Ob der Publisher oder der Entwickler auf diese Idee kam weiß ich nicht, aber die Rechnung schien nicht aufzugehen. Warum sollten die Leute zu einem Spiel wechseln, in dem sie das Gleiche vorfinden wie in WoW und in WoW haben sie sogar gute Bekanntschaften mit anderen Spielern?

Doch scheinbar wollten sich die Entwickler nicht so genau den Kopf darüber zerbrechen, warum ihr Spiel nicht so richtig lief. Stattdessen wurde die Vormachtstellung von Blizzard immer wieder in den Vordergrund gestellt. Womit sie ja zum Teil auch recht haben, denn Blizzard hat eine Vormachtstellung, aber nur im Bereich von Instanzen. Warum die anderen Entwickler immer wieder versuchen, es genau in diesem Bereich besser zu machen als Blizzard ist mir bis heute schleierhaft.

Kommt der Messias aus Asien?

Doch Halt! Ein Spiel scheint aus der Schwäche von Big B. Kapital schlagen zu wollen, und nein, ich rede hier nicht von RIFT oder SWTOR, sondern von ArcheAge! ArcheAge könnte dem in eine Flaute geratenen MMO-Segelschiff wieder neuen Antrieb verleihen. Und wo wir gerade bei Schiffen sind: ArcheAge gibt dir die Möglichkeit, ein Schiff oder dein eigenes Haus zu bauen. Du kannst sogar selbst Wälder anpflanzen und so wie es aussieht deine eigenen Felder bestellen. Doch keine Angst, wer jetzt an ein Farmerama im MMO-Universum denkt, der irrt.

ArcheAge wird ganz normale Quests haben, man wird Monster verkloppen können und man wird sogar seine eigenen Burgen bauen können, die dann von anderen belagert werden können! Klingt nach Träumerei? Mitnichten denn die ganzen oben genannten Features und noch mehr sind schon so im Spiel enthalten und dürfen von vielen Spielern sogar schon getestet werden.

Wann das Spiel allerdings zu uns kommt, ist mehr als ungewiss, denn es handelt sich hierbei um ein südkoreanisches Game, das zudem mit vielen Neuerungen im Gameplay daherkommt, wie man sie bisher noch nicht kannte. Dies dürfte einigen Publisher wohl zu heiß sein und die meisten werden erst mal abwarten wie sich das Spiel in Südkorea entwickelt.

So bleibt also zu hoffen, dass die Entwickler langsam aufwachen und merken, dass Instanzen und Items farmen nicht alles für einen MMO-Spieler ist.


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Veröffentlicht in: News

Kommentare zu "Ausgespielt: Die Zukunft der MMOs?"

Schöner Artikel. ArcheAge hatte ich bisher gar nicht so auf dem Radar, hört sich aber ganz gut an, werde ich in Zukunft intensiver verfolgen. Hoffe, das Spiel schafft es nach Europa!

"So bleibt also zu hoffen, dass die Entwickler langsam aufwachen und merken, dass Instanzen und Items farmen nicht alles für einen MMO-Spieler ist."

So wahr! Eine Langzeitmotivation bei der die Item-Spirale eine untergeordnete Rolle spielt, klingt mehr als verlockend.

Gespannt bin ich was sich bei ArcheAge noch alles tun wird, vor allem im Hinblick auf Europa.

Guter Artikel. ArchAge hat allerdings auch mindestens einen Vorläufer, leider aber bereits gescheitert (Darkfall Online, Gewichtung auf Sandbox + PvP). D.h. selbst Schiffe bauen und eigene Städte ist nicht ganz neu. Leider hat ArchAge die typisch asiatische Grafik sowie (wenn ich richtig informiert bin) Tabtargeting. Ich bin mir nicht ganz sicher, wieso bislang alle Versuche, etwas anders zu machen als WoW mehr oder weniger gescheitert sind, ich gehe davon aus, dass die Industrie nicht mutig genug ist darin zu investieren und daher die Teams und das Developement zu klein, zu langsam ist. Ich verfolge auf jeden Fall gespannt, was mit Archage passiert.