Panorama der Glutinsel in RIFT 1.6Und wieder ist eine Woche rum und es ist Zeit für Ausgespielt, deine Kolumne wenn es um spielrelevante Themen geht. Heute dreht sich alles um das Abhängigkeitsverhältnis zwischen Publisher, Entwickler und Community.

Zumindest sollte es ein Abhängigkeitsverhältnis zwischen den drei Partein geben, das in etwa so aussehen sollte: Publisher stellt Marketing und Geld zu Verfügung, Entwickler nimmt das Angebot an und entwickelt daraus ungestört ein tolles Spiel, Community bzw. User unterstützt und kauft dieses Spiel und das Geld geht zurück zum Publisher. Und so entsteht ein Kreislauf bzw. eine „Dreifaltigkeit“. Leider funktioniert das System heute so gut wie gar nicht mehr.

Das heutige System sieht dann eher so aus: Publisher gibt ungern viel Geld an den Entwickler und greift wann immer es geht in den Entwicklungsprozess ein, obwohl man davon keine Ahnung hat. Entwickler lässt das mit sich machen und hört auch nicht mehr auf den User, wenn dieser gute Verbesserungen vorzutragen hat. Der User ist dann sauer und kauft das Spiel nicht mehr, sondern lädt es irgendwo als Kopie runter. Das ist zur Zeit der grobe Ablauf in der Spiele-Industrie.

Die MMO-Branche leidet

Doch richtig problematisch scheint das ganze Konzept in der MMO-Branche geworden zu sein. Gerade hier ist es wichtig, dass alle Partein an einem Strang ziehen, um ein Produkt wenn es veröffentlicht wurde noch besser zu machen. Doch bei den meisten MMOs läuft das zur Zeit gar nicht mehr. Für den Publisher ist meist die Arbeit beendet, wenn das Spiel rund zwei Wochen auf dem Markt ist. Der Entwickler arbeitet jetzt stur seine „To Do“-Liste ab und der User bzw. die Community hat ruhig zu sein und den Obolus zu zahlen.

Dass das nicht auf Dauer gut gehen kann, ist denke ich mal jedem klar. Gerade in der Community gibt es eine Menge tolle Ideen und Vorschläge wie man ein bestimmtes Spiel besser für alle Beteiligten machen kann. Da fragt man sich doch dann, warum so wenig Vorschläge aus der Community, die wirklich gut sind, umgesetzt werden? Man bekommt manchmal das Gefühl, dass einige Entwickler zu stolz sind, von ihrer Planung, die sie sich ja jahrelang ausgedacht haben, abzuweichen. Interessanterweise kippen die meisten Entwickler dann aber sehr schnell um, wenn der Publisher vor einem steht und etwas geändert haben möchte.

Der eine machts richtig, der andere falsch

Das beste positive Beispiel dürfte hier wohl Trion Worlds mit RIFT sein. Man möge ja über das Spiel selbst denken was man möchte, aber die Abläufe sind vorbildlich und übertreffen die momentanen Qualitätsansprüche z.B. von Blizzard bei Weitem. Der wichtigste Punkt ist, dass die Entwickler auf die Community hören. Zwar hat Trion hier seine eigene Marschrute was neue Inhalte anbelangt, ist sich aber nicht zu fein, gute Vorschläge von der Community ins Spiel zu integrieren.

Ein negatives Beispiel dürfte wohl im Moment TERA darstellen. In der letzten Ausgabe von „Ausgespielt“ habe ich ja schon über den Elin-Vorfall berichtet, aber so wie es aussieht haben nicht nur die Elin die Zensurkeule abbekommen, sondern auch die Castanic, die nach amerikanischen bzw. europäischen Maßstäben wohl zu viel nackte Haut zeigen. Leider bleiben auch hier die beiden Publisher der Community eine Antwort schuldig.

Aber gerade das brauchen die modernen Spiele von heute: Kommunikation. Die Community versucht bereits zu kommunizieren, der Entwickler probiert das zwar in einigen Fällen auch, es hapert aber noch an einigen Stellen. Das größte Problem scheint zur Zeit der Publisher zu sein, was doch etwas befremdlich anmutet, weil gerade er davon profitieren würde, wenn die Kommunikation mit allen Beteiligten besser laufen würde.

Trion scheint dies richtig zu machen, denn man munkelt, dass RIFT um die 50 Millionen mit allem Drum und Dran gekostet hat. Generiert hat das Spiel aber nach 10 Monaten einen Gewinn von 100 Millionen, was darauf schließen lässt, dass Trion doch etwas richtig gemacht zu haben scheint.

Zu wünschen wäre es wirklich, wenn auch die anderen Publisher und Entwickler endlich mal den Schneid hätten, sich mit ihrer Community auseinanderzusetzen, deren Vorschläge zu hören und diese, wenn sie gut sind, auch umzusetzen. Davon hätten wir sicherlich alle etwas!


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Veröffentlicht in: News

Kommentare zu "Ausgespielt: Die Dreifaltigkeit – Publisher, Entwickler, Community"

Auch diese Woche eine interessante Kolumne Marcel. Manchmal verderben zu viele Köche einfach den Brei.

Wobei es sicherlich oft unheimlich schwierig ist das Feedback einer großen Spielergemeinschaft noch sinnvoll auszuwerten und große Änderungen einzubringen, ohne dass das Geheule gleich wieder groß ist.
Auf der anderen Seite stehen die Änderungen seitens Entwickler (v.a. am Balancing) die ja gerne mal total übers Ziel hinausschießen. Ohhhhh, da kommen böse Erinnerungen hoch… 😀